22. März 2013
Sound Service

CDboeses-alter
Please update your Flash Player to view content.
 
Produktion:

Schifer Schafer, Oliver Bösch
Musiker:
Endo Anaconda: Gesang, Texte
Salome Buser: Bass, Casio
Markus Fürst: Schlagzeug
Schifer Schafer: Gitarre, Keyboards
Herzlichen Dank fürs Mitsingen an Olivia, Mascha, Ena, Joana, Malou, Sophie, Selina, Joy, Anina und Uma

 

Aufnahmen: Sommer und Herbst 2012, Tonmeister: Oliver Bösch
Mastering: Oliver Bösch
Bandfoto: Michael Schär
Grafik: Pedä Siegrist
Übersetzungen ins Deutsche: Balts Nill

 

LINERNOTES

Als unsere Karriere bzw. unser Karren (ein alter Peugeot 104, braun) zu rollen anfing,
da befanden wir bereits deutlich jenseits der kritischen Grenze von dreissig Lebensjahren.
Live fast, die young, für diesen RockenRoll-Lebensentwurf waren wir also
definitiv zu alt. Und so kutschierten wir mit 110 km/h über die N1 (so hiess damals
die A1) und fassten als Karrierehöhepunkt das AHV-Alter ins Auge. Einmal bei der
Rückfahrt in der Nacht verlor der Peugeot den Auspuff. Vor der Haustür hupfte er
kurz auf, gab ein Räuchlein von sich und verschied.

Daraufhin glaubte ich in einer Vision die Zukunft des RockenRoll zu sehen:

Irgend einmal rollte die letzte Rockband mit ihrem Sattelschlepper über die Autobahn.
«Wo spielen wir heute Abend?» fragte der Schlagzeuger. Als Antwort vernahm er nur das
Zischen aus den drei Kopfhörern seiner Mitmusiker Der taube Fahrer schaute angestrengt
auf die Strasse. Sie ging geradeaus, wie seit Jahren schon. Irgend einmal würde dann die
Stadt kommen.
Ein Schlingern, ein Rumpeln, und der Sattelschlepper rollte auf dem Pannenstreifen aus.
Die letzte Luft entwich dem rechten Vorderrad, und wäre jemand zur Stelle gewesen, er
hätte das Mundharmonikariff von «On the road again» gehört.
Irgendwo in einer Stadt stand ein einziger Mensch mit seinem Ticket, das er vom Lokalradio
bekommen hatte, vor der verschlossenen Tür einer Mehrzweckhalle.

Endos Vision war ein ganz andere. Trotzig hatte er am Rockenroll- Märchen festgehalten,
und als ihm nun eine Fee eine Extraportion jugendlichen Übermut nachreichte,
da griff er herzhaft zu.

mit dem alter wird man milder
aber i werd immer wilder
i bin e wilde has
u ha ne wilde hasespass
im hasegras

Ich liess mich anstecken und schlug dazu den Takt auf Blech, Fell und Saiten.

Nicht mit einem Sattelschlepper, aber mit einem VW Passat fuhren wir der Aaare
entlang und verteilten unseren RabbitRoll im Mittelland, manchmal auch darüber
hinaus.

Bevor sich Endo mit verschwitztem Hemd auf ein durchgescheuertes Garderobesofa
warf, rief er jeweils ins Publikum: «Geniesst die Jugend. Das Alter dauert viel länger».
Stimmt, auch wenn alle Anti-Aging-Programme das Gegenteil behaupten.

Wenn der Blick immer öfter am Rückspiegel hängenbleibt, ist das ein untrügliches Zeichen
fürs Älterwerden.
So vergeht die Zeit. Dieses Lied lief von Anfang an schon neben dem Wilden Has her.
Es beschreibt ein Wiedersehen nach zehn Jahren:
Gut schaust aus, abisserl abgekämpft vielleicht,
aber immer noch ziemlich attraktiv ...

Und jetzt, im einst unvorstellbar weit entfernten Jahr 2013, Chätschgummi. Auch
hier ein Wiedersehen. Nur rollt das Lied jetzt weit ins letzte Jahrhundert zurück – bis
hin zum ersten geraubten Kuss. 45 Jahre später ist der Geschmack immer noch im
Mund. Ja, liebe Kinder: Wenn man den Kaugummi über Nacht an die Bettkannte klebt,
dann ist er am nächsten Morgen wieder ziemlich süss. Das wusste man damals noch.
Damals, als der RockenRoll erfunden wurde.

Balts Nill


Balts Nill, Mitbegründer von Stiller Has (1989 – 2005) und
alter Weggefährte von Endo und Schifer.